Das Bauwesen bleibt der wichtigste Wachstumsmotor der Wirtschaft – die Abhängigkeit von öffentlichen Investitionen erhöht jedoch die Risiken
Das Volumen der Bauleistungen in Rumänien stieg in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 um mehr als 6 %, nachdem der Sektor bereits im Jahr 2025 neue Höchststände erreicht hatte. Laut einer Analyse von Colliers auf Grundlage von Eurostat-Daten war das Bauwesen im April der einzige bedeutende Wirtschaftssektor mit weiterem Wachstum, während sich die Vertrauensindikatoren in den Bereichen Konsum, Einzelhandel, Industrie und Dienstleistungen weiter verschlechterten.
Getragen wird diese Entwicklung vor allem durch öffentliche Investitionen, die inzwischen zur wichtigsten Stütze des Marktes geworden sind. Derzeit befinden sich fast 1.000 Kilometer Autobahnen im Bau, parallel zu Infrastrukturprojekten im Schienenverkehr sowie zu Gesundheits- und Sporteinrichtungen, die durch nationale und europäische Mittel finanziert werden.
Dadurch hat sich das Bauwesen zu einem Sektor entwickelt, der mehr als 8 % zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt – der höchste Anteil innerhalb der Europäischen Union. Gleichzeitig ist die Kreditvergabe an Bauunternehmen weiter gestiegen: Das ausstehende Kreditvolumen überschritt Ende März 54 Milliarden Lei und lag damit 16 % über dem Vorjahresniveau.
Dennoch wirft der mittelfristige Ausblick Fragen auf. Öffentliche Investitionen machen inzwischen mehr als die Hälfte der gesamten Branchenaktivität aus, wodurch die Anfälligkeit für mögliche Verzögerungen bei der Nutzung europäischer Fördermittel oder für Änderungen der staatlichen Haushaltsprioritäten steigt. Gleichzeitig bleiben private Investoren angesichts hoher Finanzierungskosten und wirtschaftlicher Unsicherheiten zurückhaltend.
Zusätzlichen Druck verursachen der anhaltende Fachkräftemangel sowie die erneute Verteuerung von Baumaterialien. Damit befindet sich die Branche an einem Wendepunkt: Sie profitiert vom größten Investitionszyklus der letzten Jahre, doch die zunehmende Abhängigkeit von öffentlichen Projekten könnte zu einem erheblichen Risikofaktor werden, falls das derzeitige Investitionstempo nicht aufrechterhalten werden kann.
Angesichts der engen Verflechtungen des Bauwesens mit Branchen wie der Baustoffindustrie, dem Transportwesen, der Logistik und professionellen Dienstleistungen würde jede deutliche Abschwächung der Bautätigkeit weit über die Grenzen des Sektors hinaus wirken und sich auf die gesamte Wirtschaft auswirken.



